Virtual Reality

  • Roboter und künstliche Intelligenz – welche Chancen und Möglichkeiten in neuen Realitäten stecken

    Wenn es um Digitalisierung geht, gelten KMUs als noch etwas zurückhaltend. Hohe Kosten, Einschulungs- und Trainingsaufwand und die generellen Rahmenbedingungen zur Einführung neuer Technologien stellen Hürden für die Einführung dar. Doch auch kleinere Unternehmen müssen sich mit den neuesten Trends, wie Virtual Reality, Robotik und künstlicher Intelligenz, befassenum wettbewerbsfähig zu bleiben und effizient agieren zu können.

    Hört man Virtual Reality (VR), denkt man oftmals an futuristisch anmutende Brillen, mittels derer man sich in einer virtuellen Welt bewegt. Zugegebenermaßen hat diese Technologie noch nicht in dem Umfang die Welt der Konsumenten erobert, wie es sich so manche Technologieunternehmen gewünscht hätten. Doch in der Industrie haben Virtuelle Realitäten bereits ihren Platz gefunden.

    So sieht man im Gebiet Virtuelle Techniken ein sehr großes Einsatzpotenzial im Segment der Einzelfertiger. Das sind jene Unternehmen, die Auftragsfertigungen nach individuellen Kundenwünschen übernehmen und meist von großer Komplexität geprägt sind. Dies ist beispielsweise im Sondermaschinen- oder im Anlagenbau der Fall. Und je höher die Komplexität, umso wichtiger scheint der Einsatz virtueller Techniken: Denn sie sind ein wertvolles Werkzeug überall dort, wo komplexe Aufgaben sich auf räumliche Gegebenheiten beziehen, die rein algorithmisch nicht lösbar sind.

    So liegt nach Einschätzung von Experten der Nutzen vor allem in der Einsparung realer Prototypen, einer höheren Planungsqualität und Planungssicherheit, einer Verkürzung des Produktentwicklungsprozesses, einer Fehlerreduzierung und Fehlerfolgekostenreduzierung und einer besseren Kommunikation.

    Ebenso macht der Einsatz dieser Technologie bei der Abbildung von Arbeitsschritten großen Sinn. So können beispielsweise die Planung einer Anlage, die Wartungsintervalle und die Trainings mittels Virtueller Realität abgebildet und simuliert werden.

    Die Reisekosten bedingt durch Meetings stellen ein weiteres Einsatzfeld dar. So verursacht jeder Mitarbeiter im Durchschnitt 1.100 EUR Reisekosten im Jahr. Durch virtuelle Meetings wird nicht nur die Anreise zu den Meetings selbst unnötig, sondern es besteht auch die Möglichkeit, den Anlass für das Meeting komplett überflüssig zu machen.

    Im Bezug zu den Endkunden wird von VR auch einiges erwartet. So weist beispielsweise der ecommerce große Wachstumsraten auf. Das Manko, wie beispielsweise das Kleidungsstück im Online-Shop nicht anprobieren zu können, soll mittels VR beseitigt werden. Und dies hat wiederum Auswirkungen auf eine Reduktion der kostenintensiven Retouren.

    Auch im Marketing finden sich viele Möglichkeiten. So kann man Erlebnisse mittels Virtueller Realität wesentlich emotionaler gestalten und verkaufsunterstützende Maßnahmen zum Einsatz bringen wie es beispielsweise BMW bereits macht.

    Eine weitere Technologie, die man beachten muss, ist der Einsatz von Robotern. Diese werden bereits in vielen großen Unternehmen, wie der Zulieferindustrie im Automobilbereich eingesetzt. Um den Einsatz für mittelständische Unternehmen sinnvoll zu machen, gibt es unterschiedliche Ansätze diese Technologie attraktiv zu machen. Verschiedene Forschungsprojekte, viele initiiert vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA), zielen darauf ab, die Einsatzmöglichkeiten von Robotern in mittelständischen Unternehmen zu vereinfachen und die damit verbundenen Kosten zu reduzieren. So beschäftigt sich etwa das Projekt „factory-in-a-day“ damit, eine schnelle und leicht zu implementierende Roboter-Lösung für den Mittelstand zu finden. Ein anderes Projekt, namens „SME robot“, hat die Bedienbarkeit, Sicherheit und Flexibilität von Roboter-Systemen im Fokus, um den Einsatz in mittleren Unternehmen attraktiver zu machen. Eine neue Generation von Robotern soll aus diesem Projekt hervorgehen, die gezielt für den Mittelstand zum Einsatz kommen sollen.

    Ein ganz neuer Zweig in der Roboterfertigung ist die Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK), die durch die Industrie 4.0 immer mehr an Bedeutung gewinnt. Aktuell gestaltet sich der Einsatz von Robotern derart, dass diese getrennt von Menschen in eigenen Zonen zum Einsatz kommen. Im Zuge der Kollaboration sollen Mensch und Maschine aber direkt miteinander interagieren und die individuellen Fähigkeiten von Mensch und Maschine in einem Prozess kombiniert werden. Einsatzmöglichkeiten werden vor allem im Bereich der Einzelfertigung, aber auch zur Entlastung von Arbeitern, Stichwort Ergonomie, gesehen. So können die Maschinen schwere Werkstücke anheben und für die Bearbeitung durch den Menschen bereitgehalten werden.

    Die enge Verzahnung von Mensch und Maschine birgt aber auch Gefahren, so könnte etwa eine Maschine durch eine Bewegung einen Menschen verletzen. Aber auch Angriffe von außen in Form von Cyberattacken könnten ein gut eingespieltes, vernetztes System unkontrollierbar und damit gefährlich machen.

    Künstliche Intelligenz (KI) ist ein weiterer Baustein, der von Unternehmen berücksichtigt werden muss. So sind Apples Assistentin SIRI, Microsofts Assistentin Cortana oder IBMs Watson-Programm hervorragende Beispiele für die Einsatzmöglichkeiten von KI. Ihnen allen gemein ist, dass diese Systeme auf große Datenmengen zurückgreifen und diese im Bedarfsfall rasend schnell durchforsten. Überdies entwickeln sie sich laufend weiter und lernen aufgrund jeder Anwendung.

    Eine bereits häufige Einsatzform der künstlichen Intelligenz sind sogenannte Chatbots. Dabei handelt es sich um Software, die unter Zuhilfenahme von natürlicher Sprache mit den Menschen kommuniziert. Als Vorteile sind die Reduktion menschlicher Arbeit und die damit verbundenen Kosteneinsparungen, die rasche Antwortzeit und die ständige Verfügbarkeit zu sehen. Nachteilig ist jedoch, dass die emotionale Ebene in der Kommunikation durch die Maschine noch nicht berücksichtigt werden kann.

    Eine weitere Anwendungsmöglichkeit findet sich im Trainingsbereich. So werden beispielsweise im Notaufnahme-Training für angehende Ärzte mithilfe von VR-Brillen Situationen geschaffen, in denen die Auszubildenden wie im realen Leben reagieren und handeln müssen. So werden unter anderem intelligente Maschinen eingesetzt, die auf die Reaktion und Behandlung der Medizin-Studenten reagieren und so eine echt wirkende Situation kreieren.

    Abschließend sei noch die Anwendungsmöglichkeit im Bereich der Logistik zu erwähnen. So setzen große Handelsunternehmen immer stärker auf Algorithmen, um den Bedarf und die optimale Bestellmenge vorab bestimmen zu können zur Vermeidung von Lieferengpässen und zu hohem Lagerbestand.

Fact Box

    • Zu den Top-Technologietrends zählen vor allem Virtual Reality, Robotik und Künstliche Intelligenz
    • Virtual Reality lässt die Abbildung und Simulation von Prozessen zu
    • Spezielle Projekte suchen nach effizienten Methoden um den Einsatz von Robotern im Mittelstand attraktiver zu gestalten
    • Mittels Künstlicher Intelligenz wird unter anderem die Kommunikation zwischen Mensch und Computer ermöglicht

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